Oft geht es schon vor dem einstimmigen Countdown „3…2…1…“ und den darauffolgenden begeisterten Neujahrsausrufen los: Das Feuerwerk. Was die Zweibeiner in der Regel mit „oooh“ und „aaah“ kommentieren und bei ihnen Begeisterung auslöst, stößt bei den meisten Vierbeinern nur auf eins: Stress und Angst. Damit auch euer Hund einen guten Übergang hat, haben wir Tipps für das nächste Silvester mit Hund. 

Des einen Leid, des anderen Freud‘: Gründe für die Angst

Angenommen man wüsste nicht, dass Silvester ist und hätte die Augen verbunden. Auf was reduziert sich dann das Feuerwerk? Richtig, auf lautes Knallen und einen schwefeligen Geruch, der beim Alarmzentrum im Gehirn anklopft: Feuer? Gefahr? Genauso fühlen sich unsere Partner auf vier Beinen, doch können sie die Lärmquelle nicht zuordnen und erleben die Reize zusätzlich noch viel intensiver. Das deutlich besser ausgeprägte Hundegehör sorgt nicht unbedingt dafür, dass die Raketen lauter, dafür aber umfänglicher wahrgenommen werden. Zusätzlich nehmen die empfindlichen Geruchsorgane der Hunde den Geruch der Feuerwerkskörper viel intensiver wahr.

Verängstigtem Hund werden Ohren zugehalten
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Damit wären die Gründe für die Angstzustände und den Stress geklärt. Gut, denn ein bisschen Theorie und Hintergrundwissen schadet nicht, um den Hund besser zu verstehen und die Situation einordnen zu können. Doch bringt dieses Wissen leider wenig, wenn die Anzeichen für diesen Zustand nicht erkannt werden. Daher hier noch mal ein kleiner Exkurs in das Lesen der Körpersprache von Hunden. Angelegte Ohren, eine geduckte Körperhaltung und eingeklemmte Rute sind die offensichtlichsten und häufigsten Zeichen dafür, dass Hunde Angst haben. Ebenso wie physische Reaktionen wie geweitete Pupillen, Hecheln und Zittern. Also gilt: den Hund genau beobachten und die Tipps befolgen.

Tipp 1: Vorbild sein

Die Glückskekse müssen noch gekauft, die Bowle angesetzt und der Raum dekoriert werden? Kündigt sich nach den besinnlichen Weihnachtstagen das neue Jahr an, verändert sich die Stimmung mal schnell, Unruhe kommt im Haus auf. Es ist noch so viel zu erledigen und wo ist nur die Zeit geblieben?! Diese Hektik überträgt sich schnell auf den Hund und er wittert schon vor dem Silvesterabend, dass etwas nicht stimmt.

Daher sollte man sich an den Tagen vor, insbesondere am Tag des Jahreswechsels so normal wie möglich verhalten und dem Hund ein Ruhepol sein. Gewohnte Tagesabläufe und Routinen sollten nicht unter den Vorbereitungen leiden, da diese dem Tier Sicherheit geben. Die einzige Ausnahme stellt da die letzte Hunderunde dar: Die sollte nämlich früher als gewöhnlich und nicht bei Dämmerung stattfinden. So läuft man nicht Gefahr, draußen – und damit noch näher am „Geschehen des Grauens“ – zu sein, wenn die ersten Böller am Abend losgefeuert werden. 

Bitte auch bedenken: Vor Silvester ist nach Silvester! Soll heißen, dass leider nicht nur am Silvesterabend geböllert wird. Daher sollte der Hund aus Sicherheitsgründen ein paar Tage vor und nach dem Jahreswechsel an einer Schleppleine geführt werden. 

Tipp 2: Einen „Klassik-Bunker“ schaffen

Fenster schließen, Rollläden herunterlassen und Gardinen zuziehen. Wer die Möglichkeit hat, kann mit dem Partner auf vier Pfoten auch in den Keller gehen. Sich so gut es geht von der Außenwelt abschirmen und einen kleinen Bunker der Ruhe und möglichen Stille schaffen. Dann noch Radio oder Fernsehen an und schon wird der Lärm von draußen so gut es geht gedämpft. Bei der Musikwahl zählt aber nicht der eigene Geschmack: der Mix der Woche von Spotify wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht tun. Studien haben nämlich ergeben, dass klassische Musik, wie Balladen von Mozart, am entspanntesten auf Hunde wirken. Heavy Metal und Rock haben hingegen eher eine stressauslösende Wirkung. 

Ängstlicher Hund versteckt sich unter einer Decke
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Zusätzlich empfiehlt es sich, dem Hund nicht nur einen, sondern gleich mehrere Rückzugsmöglichkeiten anzubieten, beziehungsweise zu bauen: Eine Decke über dem kleinen Wohnzimmertisch, die Auto-Transportbox ins Badezimmer oder eine kleine „Festung“ aus Stühlen in der Küche. Wie bei Kindern, die eine Bude bauen, sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Wer nun denkt, sein Hund würde sich eh nicht dorthin zurückziehen, wird staunen. Die Extremsituation der Silvesternacht lässt den Vierbeiner auch schnell mal seinen gewohnten Lieblingsplatz vergessen, die Fluchtgedanken übertünchen alles.

Und das ist biologisch – beziehungsweise evolutionär – bedingt auch nicht ungewöhnlich: Würde ein Hund in freier Wildbahn bei Angst und Stress nicht fliehen, beziehungsweise sich zurückziehen, hätte er schlechte Überlebenschancen. Wichtig ist bei den Rückzugsmöglichkeiten allerdings, dass diese im Optimalfall schon in paar Tage vor dem Silvesterabend angeboten und mit etwas Positivem, wie einem leckeren Kauknochen, verknüpft werden. 

Silvester mit Hund: Brauner Hund versteckt sich in einer gebauten Höhle hinter Decken
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Tipp 3: Ein echter Leitwolf sein

„Bemitleiden Sie ihren Hund nicht, bestätigen Sie ihn nicht in seiner Angst.“

Okay, drehen wir den Spieß einmal um: Wenn man selbst in Panik gerät und Angst hat, möchte man dann sich selbst überlassen werden? Sicherlich nicht! Daher sollte auch der Hund nicht allein gelassen werden. Das bedeutet erstens, dass der Silvesterabend zu Hause verbracht werden sollte, und zweitens, dass man den Hund so gut es geht, unterstützt.

Wie das geht? Ganz einfach: sucht der Hund Nähe, wird diese zugelassen – auch enger Körperkontakt. Langsames Streicheln oder einfach nur das Handauflegen können dem Hund ein Gefühl der Sicherheit vermitteln. Zieht sich der Hund hingegen zurück, ist dies auch okay, dann muss man sich auch nicht daneben hocken. Übertriebene Aufmerksamkeit und Mitleid signalisieren dem Hund nur, dass etwas nicht stimmt. Ein sicherer Leitwolf strahlt in der Natur aber Gelassenheit aus und zeigt, dass er die Situation unter Kontrolle hat. 

Hund liegt bei Besitzer auf dem Schoß und wird gestreichelt
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Tipp 4: Müde machen!

Egal, welches Alter und auch welche Spezies: Erschöpft und müde schläft sich‘s einfach besser. Daher kann es helfen, wenn der Hund tagsüber über das normale Maß hinaus gefordert wird. Und das im besten Fall sowohl körperlich als auch geistig. Ein ausgedehnter Spaziergang, ein Futtersuchspiel und – mit welchen Sportarten Mensch
und Tier gemeinsam Spaß haben können“>Gehorsamkeitstraining
können den Hund so müde machen, dass er sich weniger auf seine Angst fokussiert und eher der Erschöpfung hingibt. 

Schlafender Hund an Silvester
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Und was gibt es sonst so?

Wenn all diese Tipps nicht helfen oder man einfach „auf Nummer sicher gehen“ und seiner Fellnase den Abend so stressfrei wie nur möglich gestalten möchte, gibt es auf dem Markt auch das ein oder andere Produkt, welches zusätzlich helfen kann. 

Ganz vorne mit dabei ist Relaxopet. Die kleine, runde Box erinnert stark an eine Bluetooth-Musikbox, nur, dass sie keinen Ton von sich gibt. Naja, das stimmt nicht ganz, denn die Klang- und Schwingungswellen, die von dem Gerät ausgehen, sind nur für Zweibeiner nicht hörbar, für Hunde aber schon. Relaxopet wird als positive Konditionierung eingesetzt: Tage, im besten Fall aber Wochen, vor dem Jahreswechsel wird die Box in Situationen, in denen der Hund entspannt ist, eingeschaltet. Wird das Gerät dann am Silvesterabend aktiviert, verbindet der Vierbeiner das Geräusch mit Entspannung und die Stressoren werden reduziert.

Eine andere Möglichkeit könnten Pheromone, sogenannte „Dog Appeasing Pheromone“ sein. Das Beruhigungspheromon ist ein synthetischer Nachbau eines Duftbotenstoffes der Mutterhündin, welche diesen in den ersten Tagen nach der Geburt über die Zitzen ausstrahlt. Egal, ob als Stecker, Halsband oder Spray eingesetzt, soll dieser auch auf erwachsene Hunde eine beruhigende und sicherheitsgebende Wirkung haben.   


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Unsichtbare Wellen und Botenstoffe sind zu abstrakt, es wird eher auf etwas Handfestes vertraut? Dann könnte ein medizinischer Body die Alternative sein. Verschiedene Hersteller bieten diese an, um Hunde in Angst- und Stresssituationen zu beruhigen. Das Prinzip dahinter: Der enganliegende Body übt einen leichten, aber konstanten Druck auf den Körper des Hundes aus, was ein Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit bei den Tieren hervorruft. Wichtig auch hierbei: Frühzeitig dran gewöhnen! Zieht man den Body erst in der Silvesternacht an, könnte der Schuss – im wahrsten Sinne des Wortes – nach hinten losgehen. Der Hund würde diesen dann womöglich eher negativ verknüpfen. 

Nach hinten losgehen können auch Medikamente! Manche Tierärzte empfehlen noch immer den Wirkstoff „Acepromazin“, welcher den Hund entspannen soll. Aber: Der Hund wird dadurch nur körperlich sediert, bekommt aber noch alles mit. Ein absolutes Horrorszenario, da dem Tier die Motorik fehlt, um sich der Gefahrensituation zu entziehen. Wenn ein Hund unter extremen Angstzuständen leidet, kann diesem aber – in Absprache mit der Tierarztpraxis des Vertrauens – durch andere Medikamente geholfen werden. Doch sollte darauf nur bei absoluten Notfällen zurückgegriffen werden, da die Nebenwirkungen nicht gering sind. 

Und wenn gar nichts mehr geht? Dann hilft nur noch die „Flucht“ in ein feuerwerksfreies (Nachbar-) Land. Da können dann alle sechs Beine einen schönen Silvesterabend verbringen und tierisch gut ins neue Jahr starten!