Struvitsteine und Giardien beim Hund: Wenn der Hund erkrankt ist, helfen Medikamente und oftmals eine Futterumstellung.

Sie sind lästig und bedeuten für Hundebesitzer eine Menge Aufwand: Giardien, lateinisch Giardia intestinalis — ein weltweit verbreiteter Erreger, der Störungen des Magen-Darm-Traktes bei Hunden hervorrufen kann. Die Einzeller heften sich an die Darmwand des Dünndarms an und können dort die Verdauung stören.

Hunde stecken sich häufig über Kot an, über kontaminiertes Futter oder Trinkwasser sowie über den Kontakt mit infizierten Tieren, beim gegenseitigen Ablecken etwa. Hat ein Hund Giardien, scheidet er sie über den Kot wieder aus. Schnuppert ein anderer Hund daran, kann er sich infizieren. Giardien sind hochansteckend. 


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Die typischen Symptome bei erkrankten Wenn ein Welpe ins Leben tritt“>Welpen und Jungtieren sind wiederkehrende Durchfälle mit hellem, schleimigem und übel riechendem Kot, manchmal finden sich auch Blutspuren darin. Selten kommt es zu Erbrechen. Bei erwachsenen Hunden ist ein Befall nicht immer so deutlich zu erkennen, weil sie häufig keine Symptome zeigen. 

Die möglichen Symptome im Überblick:

  • Durchfall, manchmal mit Schleim überzogen
  • immer wieder Phasen mit normalem Kot
  • Farbe des Kotes: gelblich, und er stinkt
  • Blut kann vorkommen
  • Appetitlosigkeit
  • Gewichtsverlust
  • manchmal leichtes Fieber

Giardien sind eine Krankheit, die zu den Zoonosen zählt. Das bedeutet, dass manche Typen auch für den Menschen ansteckend sind. Dann kommt es beim Menschen zu unregelmäßigem Stuhlgang oder Durchfall. Es ist sogar möglich, dass ein infizierter Halter sein Tier anstecken kann. Bei gesunden Menschen ist eine Infektion mit Giardien aber nicht gefährlich.

Kranker Hund liegt auf Handtuch und guckt wehleidig in die Kamera
Przemek Iciak/ Shutterstock.com

So werden Giardien beim Hund behandelt

Hat der Tierarzt den Verdacht auf Giardien, ist es notwendig, vom Hund eine Kotprobe abzugeben. Die meisten Praxen können einen Schnelltest durchführen. Hat sich der Verdacht bestätigt, wird wie folgt vorgegangen: Der Hund bekommt Medikamente. Notwendig sind zudem strenge Hygienemaßnahmen, das bedeutet: die Liegeplätze des Hundes und die Näpfe müssen täglich mit heißem Wasser, das wärmer ist als 65 Grad, gereinigt werden. Die Ruheplätze sollten mit Handtüchern abgedeckt werden, die täglich gewechselt und gewaschen werden sollten. Bei langhaarigen Hunden macht es Sinn, aus hygienischen Gründen das Fell am Po stark zu kürzen. Alle im Haushalt lebenden Hunde und auch Katzen müssen behandelt werden — selbst, wenn sie keine Symptome zeigen. 

Auch durch die Fütterung kann die Therapie begleitet werden. Dr. Susan Kröger, Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik:

„Eine Infektion mit Giardien kann diätetisch unterstützt werden, indem eine hochverdauliche Diät gefüttert wird, die den Magen-Darm-Trakt nicht unnötig belastet.“

Das kann etwa ein veterinärmedizinisches Diätalleinfutter sein, oder der Halter kocht eine klassische Schonkost, wie zum Beispiel Hühnerbrust und Reis. Das selbst zubereitete Futter kann für zwei bis drei Wochen verabreicht werden, ohne dass es bei einem Hund im Wachstum — junge Hunde sind am häufigsten von einer klinischen Giardiasis betroffen — zu einem Nährstoffmangel oder einer Fehlversorgung kommt. „Bei einer längeren Fütterung selbst gekochter Rationen sollte unbedingt eine individuelle Berechnung erfolgen“, sagt Dr. Susan Kröger. Die häufig verbreitete Information, dass keine Kohlenhydrate gefüttert werden dürfen, sei wissenschaftlich nicht nachgewiesen, und diese Maßnahme würde auf keinen Fall eine medikamentöse Behandlung ersetzen. Hunde, die aufgrund von Durchfall abnehmen, beziehungsweise nicht weiter wachsen, sollten weiterhin hoch verdauliche Kohlenhydrate als Energiequelle bekommen.

Giardien beim Hund sind oftmals mit Medizin zu behandeln
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Struvitsteine: Kristalle, die beim Hund den Harndrang beeinträchtigen und Schmerzen verursachen können

Medikamente und eine Futterumstellung können die Harnsteine auflösen.

Aufgefallen war Tildas Frauchen, dass etwas nicht stimmte, als ihre zweijährige Hündin immer wieder kleine Urinflecken in der Wohnung hinterließ. War sie nach der Kastration vor einem Jahr inkontinent geworden? Eine Urinprobe bei der Tierärztin brachte Klarheit: Die Hündin hat Struvitkristalle im Urin. Ob nach einem Harnwegsinfekt, war nicht klar. 

Diese Harnsteine kommen vorwiegend in der Harnblase vor und werden auch Blasensteine genannt. Medizinisch korrekt heißen sie Urolithen. Sie sind eine Ansammlung mineralhaltiger Kristalle, die in den Nieren gebildet werden und sich zum Beispiel in der Harnblase festsetzen. Dort wachsen die Kristalle weiter zu Steinen heran.  Man unterscheidet zwischen verschiedenen Urolithen, unter anderem Cystin-, Kalziumoxalat- und Struvitharnsteinen.

Weißer Hund hat auf Teppich in Wohnung gepinkelt
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Am häufigsten bei Hunden sind Struvitkristalle. Sie entstehen, wenn der Harn zu basisch ist, das bedeutet, dass der pH-Wert höher ist als 7. Gleichzeitig ist der Urin mit Magnesium und Phosphor übersättigt. Die Kristalle und später die Steine können beim Hund Schmerzen hervorrufen, beim bloßen Abtasten und beim Urinieren. Im schlimmsten Fall können die Struvitsteine die ganze Blase füllen und den Abfluss des Harns blockieren. Die Folgen für den Hund sind schmerzhaftes Wasserlassen, weil sich der Urin staut, auch Blasenentzündungen und Entzündungen der Harnwege können folgen.

Eine Harnwegsinfektion fördert die Entstehung von Struvitkristallen. Meistens sind Bakterien der Auslöser, die das Harnmilieu entsprechend verändern. Auch die Ernährung und eine genetische Veranlagung können die Bildung von Struvit verstärken.

Die Behandlung von Struvitsteinen

Hunde mit einer Struvit Urolithiasis bekommen entsprechende Medikamente, die den Harn ansäuern und damit die Auflösung von Struvitkristallen fördern . Die Fütterung eines harnansäuernden Futters ist wichtig und sollte konsequent durchgeführt werden. So können Struvitsteine durch das richtige Futter aufgelöst werden und eine Operation überflüssig machen.

Dr. Susan Kröger:

„Wir unterscheiden zwischen Therapie und Prophylaxe, da Struvite aufgelöst werden können. Zur Therapie werden deutlichere Reduzierungen der steinbildenden Substanzen vorgenommen als zur Prophylaxe, zudem wird der pH-Wert weiter gesenkt.“

Dieses sollte unter tierärztlicher Kontrolle erfolgen und nur so lange, bis die Kristalle, beziehungsweise Steine, aufgelöst sind. „Danach wird dann, häufig lebenslang, eine Prophylaxe gefüttert. Auch bei dieser Erkrankung gibt es veterinärmedizinische Diätalleinfutter oder es kann selbst gekocht werden. Letzteres nur nach streng berechneter Diät von entsprechend ausgebildeten Tierärzten.“ In dem Diätfutter müssen die kristall- bzw. steinbildenden Komponenten (das sind Ammonium, beziehungsweise Protein, Magnesium und Phosphor) reduziert sein und der Urin-pH muss angesäuert werden. Neben der Diät ist eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme wichtig.

Beagle trinkt Wasser aus Schüssel
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Struvitsteine können bei Hunden, die dazu neigen, immer wieder vorkommen.

Folgendes ist bei Struvitsteinen daher zu beachten:

  1. Das Tier nach der Diagnose weiterhin regelmäßig beim Tierarzt kontrollieren lassen. Für die Urinprobe eignet sich ein kleiner Becher, der in den Urinstrahl gehalten wird. Mit einem Urintest aus der Apotheke kann der Hundehalter den pH-Wert selbst feststellen und bei einem zu hohen Wert zum Tierarzt gehen. Der Urin darf nicht zu lange stehen, sondern sollte frisch untersucht werden. Auch ein Ultraschall oder eine Röntgenaufnahme können bei Struvitsteinen notwendig sein. Steine müssen operativ entfernt werden, wenn sie den Harnabsatz verhindern oder sich nicht auflösen lassen. 
  2. Tierärzte raten zu einer erhöhten Flüssigkeitsaufnahme. So kann zum Beispiel das Futter mit Wasser ergänzt werden, beim Trockenfutter mehr als beim Nassfutter, wenn der Hund freiwillig nicht viel trinkt. Daher eignet sich Nassfutter beim Hang zu Harnsteinen auch besser als Trockenfutter, da es zu 80 Prozent aus Wasser besteht. Man kann mehrere Trinknäpfe zu Hause verteilen, um den Hund zum Trinken zu animieren. Wichtig: Die Näpfe täglich reinigen und mit frischem Wasser füllen.
  3. Regelmäßiger Harnabsatz ist wichtig, damit der Urin nicht so lange in der Blase bleibt. Also gilt bei Hunden mit Struvitkristallen das, was für jeden Hund gilt: Mehrmals täglich Gassi gehen!
  4. Auf das Gewicht des Hundes achten und Übergewicht vermeiden.