Die tierischen Kollegen am Arbeitsplatz steigern die Work-Life-Balance. Warum alle vom Hund im Büro profitieren können

Hamburg Gismo, der Pudel, arbeitet in einem Hamburger Schuhgeschäft. Bella, die Havaneser-Hündin, begleitet ihr Frauchen täglich in einen Kinderbuchladen: Die beiden dürfen mit an den Arbeitsplatz ihrer Besitzer. Das ist gar nicht mehr so selten, denn immer mehr Unternehmen erlauben ihren Mitarbeitern, ihre Hunde mitzubringen. Ein paar Regeln sollten aber unbedingt beachtet werden.

Die Kinder in dem Schuhladen, in dem Gismo seit Welpenalter ist, kennen den Pudelrüden schon und die meisten freuen sich sehr, ihn zu sehen. Aus der Bekanntschaft im Schuhgeschäft sind sogar schon echte Freundschaften entstanden. Die mittlerweile 15-jährige Lina hat Gismo als Sechsjährige im Laden kennen- und lieben gelernt und ihn regelmäßig ausgeführt. Gismo ist verträglich und mag Kinder. Und die haben beim Schuhkauf gleich viel mehr Spaß. Ein Hund bringt Freude. Wer ängstlich ist, lernt hier Hunde auf sanfte und unaufgeregte Art kennen. 

Voraussetzung für den neuen Job: Ein Hund im Büro

Nun ist ein Schuhgeschäft kein Großraumbüro, aber moderne Arbeitgeber haben längst erkannt, dass die tierischen Kollegen das Betriebsklima verbessern können. Auf der Internetseite www.feel-good-at-work.de etwa können Jobsuchende ihren Arbeitsplatz danach auswählen, ob Hunde in dem betreffenden Unternehmen erlaubt sind. Darunter sind moderne Agenturen, aber auch traditionelle Unternehmen. Unterschiedliche Branchen öffnen sich dieser Möglichkeit. Denn zum einen erwarten Arbeitnehmer das immer häufiger von modernen Arbeitgebern, zum anderen bringt das nicht nur dem Hundehalter oder der Hundehalterin etwas, auch die Kollegen können vom Hund am Arbeitsplatz profitieren. 

Mitarbeiterin bringt ihren Hund mit ins Büro
Drazen Zigic/ Shutterstock.com

Und das vor allem in gesundheitlicher Hinsicht. Es ist wissenschaftlich bestätigt, dass die Vierbeiner guttun.

„Beim Streicheln wird das Bindungshormon Oxytocin ausgeschüttet“,

sagt Markus Beyer von der Interessengemeinschaft Bürohund e.V.

Oxytocin wiederum senkt die Stresshormone Insulin und Cortisol. Bürohund e.V. vertritt die Interessen von Unternehmen, Mitarbeitern und Hunden. Beyer setzt sich engagiert dafür ein, dass der Hund im Büro Alltag wird. 

Die Wissenschaft hat sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und es gibt diverse Studien zum Nutzen von Hunden im Büro. Bereits 2012 hat Professor Randolph T. Barker von der Virginia Commonwealth University wissenschaftlich nachgewiesen, dass Hunde im Büro deutlich den Stresslevel der Mitarbeiter senken. Die Ergebnisse der Studie im Überblick:

  • bei Mitarbeitern mit Hund ging im Laufe des Tages der Stress zurück
  • bei Nicht-Hundebesitzern, oder denen, die ihren Hund nicht dabei hatten, stieg der Stresslevel hingegen an
  • die hundebezogene Kommunikation am Arbeitsplatz führte zu höherer Leistung und Zufriedenheit aller Mitarbeiter 
  • unter den Mitarbeitern war die Resonanz überwiegend positiv und man arbeitete besser und stressfreier miteinander 
  • Mitarbeiter ohne Hund führten gern die Hunde der Kollegen zum Gassi aus
Hund im Büro steigert die Laune der Mitarbeiterinnen
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Der Bürohunde-Index 2019 ermittelte, dass mehr als 90 Prozent der Arbeitnehmer mit Hund das Arbeitsklima besser einschätzen und ihre persönliche Work-Life-Balance verbessert sehen. 

Weitere Erkenntnisse: Hunde können nicht nur den Stresslevel senken, sie können die Teamarbeit im Büro fördern und den Arbeitsalltag bereichern. Ein Arbeitgeber, der Hunde erlaubt, könne somit viel für die Burnout-Prophylaxe tun.

Hunde, davon ist Markus Beyer überzeugt, tragen einfach zu einem besseren, menschlicheren Arbeitsklima bei. Er appelliert daher an Unternehmen, die Vorteile von Hunden am Arbeitsplatz wahrzunehmen und geht davon aus, dass der Druck auf die Arbeitgeber, Hunde zuzulassen zunehmen wird, weil die Mitarbeiter das so wollen, und auch weil sich viele Menschen während der Corona-Pandemie einen Hund zugelegt haben und diesen auch weiterhin in ihr Leben außerhalb des Homeoffice integrieren wollen.  

Frau im Homeoffice hat ihren Hund auf dem Schoß
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„Immer mehr Menschen kämpfen mit hohem Druck und chronischem Stress im Job, was schlimmstenfalls in einem Burnout und damit einer langen Krankschreibung endet. Darunter leiden nicht nur die Betroffenen und ihr Umfeld, sondern auch für das Unternehmen sind solche stressbedingten Erkrankungen ein massives ökonomisches Problem. Ein Bürohund kann dabei helfen, den Erkrankungsverlauf zu unterbrechen, den Stresspegel der Mitarbeiter zu senken und schafft eine entspanntere Arbeitsatmosphäre. Unter adäquaten Bedingungen sorgt er letztendlich für eine höhere Produktivität.“,

so Beyer.

Damit es am Arbeitsplatz mit dem Hund klappt und sich alle Kollegen wohlfühlen, auch die, die Bedenken gegen Hunde haben, gilt es einige Regeln zu beachten:

Junges Team und Hund im Büro
LightField Studios/ Shutterstock.com
  • Am besten mit dem Arbeitgeber vorab feste Regeln schriftlich festhalten. So kann sich jeder darauf berufen, wenn es doch einmal Konflikte geben sollte.
  • Sich auf eine bestimmte Anzahl von Hunden festlegen.
  • Hunde in öffentlichen Bereichen (Fluren, Aufgängen, Küche) immer an der Leine führen oder dort gar nicht erst zulassen, zum Beispiel dort, wo gegessen wird.
  • Für Allergiker müssen hundefreie Zonen eingerichtet werden.
  • Damit auch der Hund sich wohlfühlt, braucht er einen Rückzugsort, wo er ungestört schlafen kann, etwa einen festen Platz in Schreibtischnähe von Frauchen oder Herrchen. Hier gilt auch, dass der Hund in Ruhe gelassen wird.
  • Es muss ausreichend Wasser für den Hund geben, und natürlich muss es die Möglichkeit für den Mitarbeiter geben, in der Pause mit seinem Hund eine Runde zu drehen.
  • Unternehmen, die den Schritt zum Bürohund erstmalig gehen wollen, sollten das innerhalb eines Pilotprojektes machen. Nach der Pilotphase gibt es dann die Möglichkeit nachzubessern.
Hund sitzt auf Schoß von Herrchen, der grade arbeitet
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Diese Regeln sollten im besten Fall gemeinsam und transparent festgelegt werden, sodass sich niemand ausgeschlossen fühlt.

Bei aller Hundeeuphorie sollten sich alle Beteiligten bewusst sein, dass ein Hund nicht alle Probleme löst, sagt Markus Beyer.

„Hunde können aber ein Baustein sein in einer Strategie für mehr Wertschätzung, mehr Menschlichkeit und mehr Gesundheit, in diesem Kontext leisten sie einen großen Beitrag.“