Rücksichtnahme unter Hundehaltern ist notwendig für ein entspanntes Miteinander. Worauf kommt es an? Unser Hundeknigge hilft, gelassen zu bleiben.

Sitz, Platz, Fuß — das sind die Kommandos, die zum Grundgehorsam beim Hund gehören. Keine große Sache, lernt jeder Hund ganz fix. Etwas komplizierter wird es im Umgang und in der Begegnung mit anderen Hunden und Menschen, mit dem Leben mit Hund im öffentlichen Raum. Da gibt es klare Regeln, die auch viele Trainer in den Hundeschulen vermitteln. Doch vieles gerät auch schnell in Vergessenheit. Hier eine kleine Auffrischung, worauf im Umgang mit Hunden, draußen unter Menschen und anderen Hunden, zu achten ist, damit das Miteinander harmonisch verläuft. Gerade in der Stadt, wo sich häufig viele Hunde auf engem Raum begegnen, machen Spielregeln Sinn.


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Begegnung an der Leine

„Wenn ich jemandem mit Hund an der Leine begegne, nehme ich meinen eigenen Hund zu mir heran. Denn ich kann nicht wissen, ob der andere Hund eine Thematik hat: Ist er aggressiv, ängstlich? Oder ist es eine läufige Hündin?“, sagt Anne Klose von der Hundeschule Hansehund in Hamburg. Es ist für alle entspannter, einfach aneinander vorbeizugehen. Denn ein Kontakt von Hunden an der Leine kann schnell stressig werden. Das liegt auch daran, dass der Hund in seinem Aktionsradius, in seinem Handeln an der Leine, stark eingeschränkt ist. 

Bei vielen Hundeschulen ist das bereits Thema in der Wenn ein Welpe ins Leben tritt“>Welpengruppe. Für viele Ersthundehalter ist das immer ungewohnt, gerade Welpen nicht zu anderen an der Leine zu lassen. Das nicht zu machen, hat aber gute Gründe: „Wir sagen schon in der Welpengruppe: Wenn ihr in Zukunft entspannt mit Hund und vielleicht einem Becher Kaffee in der Hand an anderen Menschen und Hunden vorbei durch die Stadt gehen wollt, dann lasst sie nicht an der Leine zu anderen Hunden. Je früher man damit beginnt, umso entspannter ist das spätere Leben“, so Anne Klose. 

Hundeknigge: Welpen gehören auf der Hundewiese an die Leine
Andriyko Podilnyk

Begegnen können sich Hunde im Freilauf ohne Leine viel besser. Mit Leine gibt es Leinensalat und bei unkastrierten Rüden auch schon mal Ärger.

Generell ist es höflich und auch für alle Beteiligten sicherer, wenn ein Hund, der im Freilauf ist, nicht einfach auf einen anderen Hund losrennt, der an der Leine ist oder dicht an Herrchen oder Frauchen. Immer den anderen Hundehalter fragen, ob ein direkter Kontakt in Ordnung ist. Vielleicht möchten weder der andere Hund noch der Halter oder die Halterin eine Begegnung, vielleicht sind die beiden gerade im Training und möchten daher nicht gestört werden, oder der Hund ist krank oder eben aggressiv oder besonders ängstlich. Die Gründe dafür, dass jemand keinen Kontakt wünscht, können ganz vielfältig sein, aber sie sind so oder so zu akzeptieren.

Ein normaler Spaziergang

Kontakt von Hunden im Freilauf auf einem normalen Spaziergang:

Auch da lasse ich meine Hunde nicht einfach hinrasen, das ist unhöflich und für den anderen Hund, der ganz ruhig am Grasbüschel schnüffelt, vielleicht auch einfach total überraschend und grenzüberschreitend.

Einem entspannten Kontakt im Nahbereich steht natürlich nichts im Wege. Selbiges gilt für das gefühlt kilometerweite Anpirschen des eigenen Hundes an einen anderen, fremden Hund. „Auch das ist nicht nett! Trifft man damit auf einen unsicheren Hund, kann das schnell nach hinten losgehen und wird mit kopfloser Flucht des unsicheren Hundes beantwortet.“

Hundeknigge: Beim Spazierengehen am besten an die Leine
Justin Veenema

Auf der Hundewiese

Wer gar keinen Kontakt zu anderen Hunden oder auch zu anderen Menschen mit Hunden wünscht, sollte Freilaufzonen oder Hundewiesen am besten meiden oder zu Zeiten aufsuchen, in denen dort nicht so viel los ist. Das ist der konfliktfreie Weg. Denn in Freilaufzonen wird davon ausgegangen, dass alle Tiere keine Probleme mit Begegnungen haben. Da wird auch schon einmal heftiger getobt, und nur wenn der Rückruf auch unter Ablenkung gut klappt, sollte man seinen Hund dort toben lassen.

Leider klappt das bei vielen Hundehaltern eben nicht, und wenn ich nicht möchte, dass mein Hund gejagt oder unterdrückt wird, ist es schwierig. Hundetrainerin Anne Klose: „Mit unsicheren Hunden oder Hunden, die gegenüber Artgenossen vorsichtig sind, sind Hundewiesen eher zu meiden, gerade aufgrund des schlechten Rückrufs der anderen Hunde. Auch viele Hundebesitzer können die Körpersprache der Hunde häufig nicht lesen.“ Sätze wie: „die klären das unter sich“ oder „die spielen doch so schön“ seien einfach gruselig und entsprechen nicht der Realität.

Hunde spielen auf der Hundewiese
Honest Paws

„Unsichere Hunde brauchen erst einmal Schutz von ihrem Besitzer und zunächst entspannte Hundebegegnungen, bei denen sie sich raustrauen können, statt gleich mitten hinein ins Geschehen zu müssen, das ist meist nicht fair dem Hund gegenüber.“ Mit pubertierenden Rüden macht ein Besuch der Hundewiese ebenfalls keinen Sinn, diese sollten lieber geregelte Spaziergänge mit souveränen Alt-Hunden nutzen, damit das Sozialverhalten nicht aus dem Ruder läuft und ihnen gute Grenzen gesetzt werden.

Die Hundewiese wird sonst schnell zur Proleten-Wiese, was weder für die Entwicklung für pubertierende Hunde noch für die anderen Hunde vor Ort positiv ist.

Anne Klose

Der Umgang mit Fußgängern, Joggern und Kindern

Es ist höflicher und respektvoll, sich mit Hund eher ein wenig zu sehr zurückzunehmen, das heißt den Hund im Wald oder im Park bei einer Begegnung mit Joggern, Fußgängern und vor allem kleinen Kindern zurückzurufen und bei sich zu behalten. So weiß das Gegenüber: Der hat seinen Hund im Griff und nimmt Rücksicht. Kommt es zu gar keiner direkten Begegnung, weil der Hund völlig desinteressiert am Wegesrand herumschnüffelt, muss man ihn auch nicht abrufen, aber natürlich immer im Auge behalten.

Bei kleinen Kindern sollten Hunde immer herangerufen werden, das gibt Sicherheit – für die Eltern und die Hundebesitzer.

Anne Klose
Frauchen küsst ihren Hund auf Wiese
Anna Dudkova

Was kann ich machen, wenn Hunde zu wild toben? 

Zum einen sollten Hundehalter unbedingt ein Gefühl für die Körpersprache des eigenen und der anderen Hunde entwickeln und sich in einer guten Hundeschule erklären und beschreiben lassen. Was sind denn überhaupt Kennzeichen von Spiel und wie sehen die überhaupt aus?“ Wenn sich einer der Hunde unwohl fühlt, hat der Besitzer des anderen Hundes die Aufgabe, seinen Hund abzurufen und ihn aus dem Spiel zu nehmen (das dann kein Spiel mehr ist). „Habe ich einen Hund, der permanent Rennspiele nutzt, um andere niederzumachen, ist ein gehemmter Freilauf sinnvoll – also Freilauf zu den Konditionen des Besitzers und nicht zu den Konditionen des Hundes. Auch das kann eine gute Hundeschule beibringen und damit zur Entspannung aller beitragen.“

Zwei Hunde toben miteinander und spielen
Alvan Nee

Hungeknigge: Weitere Regeln im Überblick

  • Keine fremden Hunde ohne Erlaubnis füttern. Der Hund könnte Unverträglichkeiten haben oder der Halter möchte einfach nicht, dass sein Hund von Fremden etwas annimmt.
  • Eigentlich selbstverständlich: Keine fremden Hunde ohne zu fragen anfassen. Viele Hunde mögen es gar nicht, gestreichelt zu werden. Sie könnten außerdem schnappen.
  • Passanten ausweichen: Nimm nicht den ganzen Bürgersteig ein, wenn du mit deinem Hund unterwegs bist. Es ist höflicher, Platz zu machen für Passanten. Es gibt Menschen, die Angst haben vor Hunden. Bitte Rücksicht nehmen!
  • Selbstverständlich sammelst du die Hinterlassenschaften deines Hundes ein.
  • Bist du im Wald unterwegs, lass deinen Hund nicht durch das Unterholz stromern. Wildtiere könnten sich gestört fühlen — auch außerhalb der Brut- und Setzzeit. Bleib mit dem Hund bitte auf den Wegen.
  • Lass deinen Hund in Restaurants, Cafés oder in Bus und Bahn nicht im Weg liegen, sondern hol ihn zu dir heran. So stolpert niemand und niemand wird gestört. Und auf den Sitzen hat ein Hund auch nichts verloren.
  • Lass deinen Hund nicht einfach überall hinpinkeln. Gerade in der Stadt ist es eklig, wenn Hunde an jede Hauswand, an Blumenkübel oder sonstiges Eigentum pinkeln.
  • Und wenn dein Hund etwas falsch macht, weil du nicht aufgepasst hast: einfach mal entschuldigen!