Der Besuch beim Hundefriseur dient vor allem der Gesundheit der Tiere. Warum die regelmäßige Fellpflege so wichtig ist.

Hamburg. Für Pudelmischling Tilda ist der Besuch beim Hundefriseur alles andere als ein Freudentag. Tapfer lässt sie die fast zweistündige Prozedur über sich ergehen. Waschen, föhnen, schneiden und rasieren sind heute angesagt. Dabei geht es neben Schönheit vor allem um Gesundheit. Denn: Der Besuch beim Hundefriseur ist für die meisten Rassen notwendig, um gesund zu bleiben.

Zum Glück ist Britta Karsch eine wahre Hundeflüsterin in Hamburgs Stadtteil Eimsbüttel. Die Hunde lieben sie und freuen sich, auch wenn sie ihnen als Hundefriseurin ans Fell geht. Tilda kommt etwa alle zwei bis zweieinhalb Monate in den Salon. Heute ist zunächst baden angesagt. Baden kann dann sinnvoll sein, wenn das Fell dreckig ist, es ist außerdem hygienischer.

„Gerade Rassen mit Haaren, wie Pudel, sollten regelmäßig gebadet werden. Das Haar wird schmutzig wie bei uns Menschen“,

sagt Frau Karsch. 
Weißer Pudel wird gebadet
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Am liebsten würde die zweijährige Hündin aus der Wanne springen. Britta Karsch hält sie sanft und doch fest im Griff und shampooniert sie unter der Dusche ein. Das anschließende Föhnen gefällt dem Hund auch nicht wirklich. Aber Tilda ist eine von vielen, und Hundefriseure sind geübt darin, die Tiere trotzdem zu beruhigen, Konsequenz ist dabei wichtig genau wie bei Kindern. Außerdem strahlt die Hundefriseurin eine natürliche Autorität aus.

„Solange sie zwischendurch Leckerchen annehmen, ist alles gut“, sagt Britta Karsch. Sind Hunde zu sehr gestresst, fressen sie nicht. Tilda frisst und freut sich über jedes Leckerli. Es ist ja auch nicht ihr erster Friseurbesuch. Als Welpe war sie bereits im Salon zu einer Eingewöhnung. Das ist wichtig, sagt die Hundefriseurin.

„Wir machen das ganz behutsam zusammen mit dem Besitzer. Es geht darum, das Tier an den Behandlungstisch zu gewöhnen, einmal mit der Bürste durchs Fell zu gehen, die Schermaschine laufen zu lassen, damit sich der Hund an das Geräusch gewöhnt und beim ersten richtigen Besuch keine Panik hat.“ 

Britta Karsch setzt auf Kooperation und verzichtet im Allgemeinen darauf, einen Hund beim Frisieren anzubinden. Vertrauen ist ihr wichtig.

Hundefriseurin schaut Hund in die Augen und schneidet ihm vorsichtig die Haare
Genevieve Wood

Während Menschen freiwillig zum Friseur gehen und das für viele Wellness ist, gefällt es den meisten Hunden nicht, gebadet, geschnitten und frisiert zu werden. Und so versucht auch Tilda immer wieder, aus der Situation zu kommen. Britta Karsch kennt jeden ihrer tierischen Kunden genau und geht individuell auf sie ein. „Das Ganze ist Stress für die Hunde. Ich versuche, das so entspannt wie möglich zu machen“, sagt die 50-Jährige.

Nach dem Trocknen mit einem Höchstleistungsföhn kommt der Haarschnitt. Dafür muss das Fell trocken sein, weil die Scheren und Schermaschinen nicht richtig funktionieren. Das Fell durchkämmen, um Verfilzungen zu beseitigen, mit der Schermaschine kürzen, Pfoten freischneiden, den Kopf frisieren und zum Schluss die Krallen gegebenenfalls kürzen, die Ohren checken – das gehört alles zum Besuch beim Hundefriseur.

Weißer Bichon Welpe kriegt beim Hundefriseur die Nägel geschnitten
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Weil Tilda zu Verfilzungen neigt, die nicht immer raus zu kämmen sind, greift die Hundefriseurin zur Schermaschine und rasiert ihr den Bauch. Typische Körperstellen für Verfilzungen sind bei Tilda und anderen langhaarigen Hunden außerdem hinter den Ohren und an den Pfoten. Manche Hundefriseure überprüfen auch die Analdrüse und drücken sie bei Verstopfung aus. Beim Hundefriseur geht es anders als beim Menschen nicht in erster Linie um schicke Frisuren, sondern der regelmäßige Friseurbesuch ist eine Notwendigkeit.

Wenn Tilda nicht alle acht Wochen zum Föhnen und Schneiden und hin und wieder zum Waschen käme, würde ihr welliges Fell schnell verfilzen, weil sie als Pudelmischling kaum Haare verliert. Das lange Haar muss daher regelmäßig gebürstet und gekämmt werden. Es hilft dem Hundefriseur und kann den Besuch im Salon verkürzen, wenn Frauchen oder Herrchen ihren Liebling bereits zu Hause regelmäßig kämmen oder bürsten. Welcher Kamm und welche Bürste für welches Fell geeignet ist, wissen die Hundefriseure am besten. Viele Hundehalter kommen bei der Fellpflege häufig nicht hinterher, der Gang zum Friseur ist unvermeidlich.

Nicht nur Pudel und manche Pudelmischlinge, die keine oder kaum Haare verlieren, auch andere Rassen sollten regelmäßig zum Hundefriseur gehen. Das ist kein moderner Schnickschnack. Damit das Fell gesund bleibt, ist es egal, ob es ein Hund mit Kurz- oder Langhaar, Rau- oder Glatthaar ist.

Der gelockte Pudel hat keine Unterwolle und seine Locken wachsen kontinuierlich. Das macht eine intensive Fellpflege notwendig. Zum Verfilzen neigen auch Havaneser, Bolonka Zwetna und Malteser. Der Riesenschnauzer haart ebenfalls kaum. Bei ihm sollte das Barthaar regelmäßig entwirrt werden. Andere Hunde mit Drahthaar, wie Rauhaardackel etwa, müssen fachgerecht getrimmt werden, also die einzelnen Haare herausgezupft werden, da die Haare sonst im Haarkanal verbleiben würden, was zu Juckreiz führen kann. Hunde mit Drahthaar haben keinen Fellwechsel und verlieren weniger Haare, so dass ihr Fell getrimmt und manchmal auch geschoren werden muss.


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Grundsätzlich, sagt Britta Karsch, sollten alle Hunderassen zum Friseur. Hunde im Fellwechsel zum Beispiel hilft es, sie von der Unterwolle befreien zu lassen. Diese bürsten Friseure raus. Im Sommer ist das besonders wichtig, weil die Unterwolle Wärme dämmt. „Das kann dann für den Hund schnell zu heiß werden.“ Der Fellwechsel ist angenehmer, wenn der Friseur eingreift. 

Yorkshire kriegt beim Hundefriseur die Haare geschnitten
Rovsky/ Shutterstock.com

Tilda sieht nach ihrem Friseurbesucht richtig schick aus, wie ein neuer Hund. Und wenn Frauchen sich über ihren süß frisierten Hund freut, dann überträgt sich diese gute Stimmung sicherlich auch aufs Tier.